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04.10.2024

Ministerin Judith Gerlach besucht Main-Klinik in Ochsenfurt

Gemeinsamer Austausch mit Klinikleitung über die Zukunft des Hauses

Auf Einladung des Stimmkreisabgeordneten Björn Jungbauer, CSU, kam die Bayerische Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention, Judith Gerlach, an die Main-Klinik nach Ochsenfurt. Dort tauschte Gerlach sich vor Ort mit der Klinikleitung und den Chefärzten über die aktuellen Probleme aus. Dem Haus geht es wie rund 85 Prozent aller Kliniken in Bayern, es schreibt rote Zahlen. Dies liege aber nicht an der schwachen Auslastung oder an der fehlenden Wirtschaftlichkeit, betonte Geschäftsführer Christian Schell. Er und sein Vertreter Dr. Georg Sonnek machten deutlich, dass dies maßgeblich an den unzureichenden Betriebskostenerstattungen, deren Rahmen der Bund festlegt, liegt. Bezüglich der Versorgungsfälle und der Fallschweren, sind die Jahre 2020 und 2024 gut vergleichbar. Leider hat sich der Verlust jedoch von rund 250.000 Euro (2020) auf 4,3 Millionen Euro vervielfacht, hier liege das Problem, so Schell. „Solche Verluste könne man auf Dauer nicht auffangen“, betonte auch Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Eberth.


Gesundheitsministerin Judith Gerlach (Vierte von links) beim Besuch der Main-Klinik Ochsenfurt. Mit auf dem Bild von links: MdL Björn Jungbauer, Landrat Thomas Eberth, KU-Vorständin Eva von Vietinghoff-Scheel, Geschäftsführer Christian Schell, Chefarz

Man habe ein weites Einzugsgebiet, das über den Altlandkreis Ochsenfurt hinausgeht. Auch aus dem Landkreis Kitzingen oder dem Main-Tauber-Kreis finden Patienten den Weg in die Main-Klinik. „Unser Haus ist für seine persönliche Note und seine hervorragenden medizinischen Leistungen bekannt. Die Main-Klinik ist für die medizinische Versorgung der Region wichtig“, betonte Thomas Eberth ausdrücklich. Ein Indiz ist hierfür für die Beteiligten der am Krankenhaus stationierte Rettungshubschrauber Christoph 18.

Die Vorständin des Kommunalunternehmens (KU) Eva von Vietinghoff-Scheel bat daher um Hilfe bei der notwendigen Umstrukturierung. Man wolle auch in Zukunft regionaler Anlaufpunkt für die Menschen sein. Nicht umsonst investierten der Landkreis und der Freistaat Bayern derzeit etwa 38 Millionen Euro in ein neues Bettenhaus, das den ersten Schritt einer Generalsanierung des 1962 gebauten Klinikums darstellt. Fertigstellung soll bereits im Frühjahr 2025 sein, danach würden normalerweise die anderen Gebäude saniert. Einig ist man sich, dass Verlässlichkeit für die weiteren Schritte notwendig ist, hierin aber auch die Chance eines aktiven Strukturprozesses liegt. „Der Mehrwert der kleinen Kliniken auf dem Land muss erhalten bleiben“, forderte auch Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder. „Leider stoße ich hiermit in Berlin bei den Kollegen der Regierungsfraktionen auf taube Ohren.“

Das Vorgehen bei der Krankenhausreform der Bundesregierung sieht Staatsministerin Gerlach aus verschiedensten Gründen sehr kritisch. Die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ins Spiel gebrachten Leistungsgruppen „werden aufgrund der geforderten Strukturvoraussetzungen für viele kleinere Kliniken im ländlichen Raum ein großes Problem“, betonte Bayerns Gesundheitsministerin. Um den Prozess proaktiv vor Ort begleiten zu können, hatte das Bayerische Gesundheitsministerium die Kliniken aufgefordert, eine Selbsteinschätzung zu ihrem künftigen Leistungsspektrum abzugeben. Dieser kam man an der Main-Klinik bereits nach. Parallel dazu wurde die Förderung eines Strukturgutachtens beim Freistaat beantragt. „Unser Ziel ist das Ausloten von Möglichkeiten der vertieften Kooperation mit fachlicher Begleitung gemeinsam mit der Klinik Kitzinger Land in Kitzingen“, so Landtagsabgeordneter Jungbauer. „Beide Häuser sind ähnlich strukturiert und kämpfen mit denselben Problemen“, betonte Geschäftsführer Schell. Viele Gespräche haben bereits stattgefunden und man geht die Strukturanalyse gemeinsam mit einem regionalen Blick an. Gesundheitsministerin Judith Gerlach machte klar, dass es keine bayernweite Lösung nach einer Blaupause gibt: „Es ist wichtig, dass wir als Freistaat den Rahmen festlegen und die politischen Akteure vor Ort den Strukturanpassungsprozess aktiv begleiten, so wie das auch die Verantwortlichen im Landkreis Würzburg aktuell tun“, ergänzte Gerlach zum Abschluss ihres Besuchs.